Wasserfall- vs. V-Modell in der Software-Entwicklung

Wer kennt Murphys Gesetz? Es lautet: „Whatever can go wrong will go wrong“. Das bedeutet übertragen beispielsweise, dass alles länger dauert als erwartet. Aber auch Kosten werden zwangsläufig explodieren. Natürlich! Hinter dieser Lebensweisheit versteckt sich viel Pessimismus. Aber gerade bei aufwändigen Projekten darf man mögliche Probleme und Schwierigkeiten nicht verschweigen. Andernfalls drohen ein Zeitverzug und ein Verlust von Aufträgen. Murphys Gesetz mahnt also dazu, intensive Bemühungen in eine ordentliche Planung zu stecken. Gerade die Softwareentwicklung hat seit den 60er Jahren sehr viel praktisches Wissen hervorgebracht, von dem Erststarter profitieren. Für die Planung von Softwareprojekten haben sich insbesondere das Wasserfall- und das V-Modell etabliert. Beide bieten einen Orientierungsrahmen.

Das Wasserfall-Modell im Überblick

DTLMB5NE39Bei einem Wasserfall handelt es sich um ein strömendes Gewässer, das sich abwärts bewegt. Dieses Bild lässt sich auf den Prozess einer Softwareentwicklung anwenden. Man durchläuft mehrere Phasen, die Entwickler jeweils vollständig beenden müssen, um eine neue zu beginnen. Merken die Softwareingenieure hingegen in einer Planungsphase, dass sie noch nicht alle Aspekte der Vorphase bearbeitet haben, müssen sie dieses umgehend nachholen. Das wird als Rückkopplung bezeichnet – und ist unerwünscht. Auch ein Wasserfall läuft bekanntermaßen nicht zurück. Die Bezeichnung der Phasen gestaltet sich in der Literatur teilweise uneinheitlich. Es lässt sich aber nachstehender Ablauf vornehmen:

  • Initialisierung
    Am Anfang steht meist eine Ausschreibung oder eine Bitte um ein Angebot. Daraus ergeben sich der Zweck des Unterfangens, die Ziele und eine Projektbeschreibung. Die Entwickler schätzen die Kosten ab und übersenden ein Angebot an den Auftraggeber.
  • Systementwurf
    Im Rahmen des Systementwurfs kommt es zu einer schriftlichen Fixierung des Sollzustandes. Dieses muss für Kunde und Auftraggeber gleichermaßen verständlich sein. Nur so lassen sich Missverständnisse vermeiden. Meist legen Softwareingenieure ein Pflichtenheft an und unterschreiben es gemeinsam mit dem Auftraggeber.
  • DV-Entwurf
    Hier werden die Einzelheiten der Anwendung geplant. Als Ergebnis ist ein Bauplan vorhanden. Alle Programmspezifikationen liegen vor.
  • Implementierung
    Unter Implementierung versteht man die Programmierung. Der DV-Entwurf wird in codierter Form auf den Computer gebracht.
  • Test
    Die Phase Test berücksichtigt zwei Komponenten: den Programmtest und den Benutzertest. Dadurch wir einerseits die Konsistenz eines Programms überprüft und andererseits die Verwendbarkeit.

Das V-Modell

Der Buchstabe V verläuft in der linken Buchstabenhälfte abwärts nach unten und steigt dann in der rechten Hälfte aufwärts an. Wie beim Wasserfallmodell lassen sich sieben Phasen in die Linienführung anordnen. Absteigend sind konstruktive Phasen angeordnet, aufsteigend Schritte zur Qualitätssicherung. Demnach befinden sich die Phasen Initialisierung, Systementwurf und DV-Entwurf auf der linken Seite. Als gemeinsames Element von Konstruktion und Qualitätssicherung lässt sich die Implementierung eintragen. Test, Installation und Wartung fallen in den aufsteigenden Bereich.

Kritik an den linear angeordneten Modellen

Wasserfall- und V-Modell verfahren also linear. Step by step gelangen Entwickler zum Ziel. Kritiker sehen dieses verfahren aber als realitätsfremd an. Rückkopplungen – also ein notwendiges Zurückgehen zu einer Vorphase – seien in der Praxis üblich. Dieser Vorwurf ist nicht unbegründet. Mit dem so genannten Spiralmodell erhalten Softwareingenieure eine Handhabe, um Rückkopplungen für Fortschritte auszunutzen. Jede Phase wird dafür in Teilphasen zerlegt. Nur letzte werden bearbeitet. Dadurch muss eine Phase gleich mehrmals durchlaufen werden. Als Ergebnis liegt eine in Einzelteilen getestete Anwendung vor.

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